Springe zum Inhalt

Ausgebuchter Fachtag in Oberhausen

Collage aus mehreren Fotos eines Fachtags mit Vorträgen, Interviews und Publikum in einem Veranstaltungsraum

Wie können pädagogische Fachkräfte junge Menschen – und dabei besonders Jugendliche mit einem Fluchthintergrund – dabei unterstützen, sich sicher und reflektiert in digitalen Räumen zu bewegen? Welche Strategien nutzen extremistische und islamistische Akteur*innen in sozialen Medien, um Aufmerksamkeit zu gewinnen und Einfluss auszuüben? Und wie lassen sich Resilienz, Medienkompetenz und demokratische Werte nachhaltig stärken? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich der Fachtag Digital dabei! Plus – #RadikalisierungVerstehen im Zeitalter von KI und Social Media, der Fachkräfte aus der Jugend-, Bildungs- und Medienarbeit zusammenbrachte. Im Mittelpunkt standen praxisnahe Ansätze zur Prävention islamistischer Radikalisierung im digitalen Raum sowie der gemeinsame Austausch über aktuelle Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten.

Die Veranstaltung knüpfte an die langjährige Erfahrung der LAG Lokale Medienarbeit mit dem Projekt Digital dabei! an, das seit über 10 Jahren junge Geflüchtete durch aktive Medienarbeit begleitet und ihre gesellschaftliche Teilhabe stärkt. Mit Digital dabei! Plus wurde dieser erfolgreiche Ansatz um einen wichtigen Baustein erweitert: die Auseinandersetzung mit den Mechanismen digitaler Radikalisierung und den Chancen präventiver Medienpädagogik.

Die Veranstaltung knüpfte an die langjährige Erfahrung der LAG Lokale Medienarbeit mit dem Projekt Digital dabei! an, das seit über 10 Jahren junge Geflüchtete durch aktive Medienarbeit begleitet und ihre gesellschaftliche Teilhabe stärkt. Mit Digital dabei! Plus wurde dieser erfolgreiche Ansatz um einen wichtigen Baustein erweitert: die Auseinandersetzung mit den Mechanismen digitaler Radikalisierung und den Chancen präventiver Medienpädagogik.

Zu Beginn des Fachtags erhielten die Teilnehmenden fundierte Einblicke in aktuelle Entwicklungen extremistischer Kommunikation auf Social-Media-Plattformen. Mehmet Koç, Sozialarbeiter, engagierter Netzpädagoge und Islamwissenschaftler machte deutlich, wie professionell und zielgruppengerecht entsprechende Inhalte heute gestaltet sind.

Mehmet Koc auf der Bühne bei seinem Impulsvortrag zum Thema Radikalisierung im Zeitalter von Social Media und KI

Anhand konkreter Beispiele wurde nachvollziehbar, welche Narrative, Bildsprachen und Kommunikationsstrategien eingesetzt werden, um junge Menschen anzusprechen. Dabei gelang es dem Referenten, komplexe Zusammenhänge verständlich und praxisnah aufzubereiten. KI spielt dabei bereits eine große Rolle. Animationen, Fake-Videos und radikale Musik lassen sich mit wenigen Clicks erstellen und sind oft nur schwer als KI-generiert zu erkennen.

Im Rahmen eines neuen Formats – dem Open Space- konnten die Teilnehmenden sich im Raum positionieren und dabei sehen, wo andere ihren Standpunkt finden. Insgesamt fünf Thesen wurden vorgestellt und alle konnten sich in Feldern im Raum aufstellen. Die Ziffer eins stand dabei für Ablehnung der These, die fünf für Zustimmung, drei war eine neutrale Haltung. Anhand der Positionierung im Raum wurde der eigene Standpunkt deutlich. Rebecca Hipp befragte die Teilnehmenden zu ihrer  Position und so entstanden interessante Gespräche und ein wichtiger Austausch zum zuvor gehörten Input. Ein Buzzer in der Mitte des Raumes konnte betätigt werden, wenn man Widerspruch einlegen wollte oder etwas außerhalb der Befragungssituation beitragen wollte. Auch dieser wurde genutzt. Wir freuen uns, dass die Teilnehmenden das Format so gut angenommen haben und sich auf unser Experiment eingelassen haben.

Gruppe von Menschen in einem hellen Raum, eine Frau hält ein Mikrofon zu einem älteren Mann mit Brille und Bart, andere hören zu und schauen interessiert.

In den anschließenden Workshops mit Hubeyb Jöntem vom Projekt Plan P der AJS und Dr. Junus el-Naggar diskutierten die Teilnehmenden eigene Erfahrungen aus der Praxis, reflektierten Herausforderungen und entwickelten gemeinsam Ideen für die pädagogische Arbeit. Die offene und wertschätzende Atmosphäre ermöglichte einen konstruktiven Dialog, der von vielfältigen Perspektiven und großem Engagement geprägt war. Viele Fachkräfte nutzten die Gelegenheit, ihr Wissen zu vertiefen, Fragen einzubringen und sich mit Kolleg*innen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern zu vernetzen.

Neben der Analyse problematischer Inhalte standen vor allem präventive Ansätze im Fokus. Gemeinsam wurden Methoden ausprobiert, die junge Menschen dabei unterstützen, Informationen kritisch zu hinterfragen, Manipulationsversuche zu erkennen und ihre eigene Haltung zu stärken. Deutlich wurde dabei, dass Medienbildung weit mehr ist als die Vermittlung technischer Kompetenzen: Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Demokratieförderung, zur Stärkung von Selbstwirksamkeit und zu einem respektvollen gesellschaftlichen Miteinander.

Mehmet Koc und Teilnehmende im Workshop "Methoden zur Prävention islamistischer Radikalisierung"

Der Fachtag hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig fachlicher Austausch und kontinuierliche Weiterbildung in einem sich schnell wandelnden digitalen Umfeld sind. Gleichzeitig wurde deutlich, wie viel Potenzial in der Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen liegt. Die entstandenen Kontakte, die entwickelten Methoden und die geplante Materialsammlung bieten eine wertvolle Grundlage für die weitere Arbeit in Einrichtungen und Projekten in ganz Nordrhein-Westfalen.

Dr. Christine Ketzer bei der Podiumsdiskussion mit Hubeyb Yöntem, Dr. Junus el-Naggar und Mehmet Koc

Mit vielen neuen Impulsen, praxisnahen Werkzeugen und gestärkten Netzwerken endete ein inspirierender Fachtag, der Mut macht, die Herausforderungen digitaler Lebenswelten aktiv anzugehen.

Digital dabei! Plus hat damit einmal mehr gezeigt, wie Medienpädagogik junge Menschen stärken, gesellschaftliche Teilhabe fördern und einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Radikalisierung leisten kann.

Ein Projekt der LAG LM NRW e.V., in Kooperation mit dem Kinder- und Kulturkreis Oberhausen e.V., unterstützt durch Plan P., gefördert vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration.